Postbank Wohnatlas 2020: Hamburg ist weiterhin ein teures Pflaster

12. Mai 2020

Die Nachfrage nach Wohneigentum in Hamburg ist hoch – und befeuert seit Jahren die Immobilienpreise. Doch nicht nur Wohnimmobilien in der Hansestadt werden teurer. Immobilien in ganz Deutschland befinden sich in einer Preisspirale, die nur den Weg nach oben kennt. Der „Postbank Wohnatlas“, eine jährliche Studie von Postbank und Hamburger Weltwirtschaftsinstitut (HWWI), beleuchtet den Wohnimmobilien-Markt in vielen Facetten. Die im April 2020 erschienene aktuelle Ausgabe zeigt: Nicht mehr nur in Großstädten, auch auf dem Land sind zum Teil drastische Preissprünge zu beobachten.

Seit vielen Jahren beleuchten Marktforscher im „Wohnatlas“ der Postbank das Preisgefüge deutscher Wohnimmobilien – unter anderem, um daraus abzuleiten, wo sich ein Kauf noch lohnt. Das Verhältnis von Einkommen zu Miete wird ebenso fokussiert wie die Frage, wieviel Quadratmeter Wohneigentum sich die Menschen in ihrer Stadt – gemessen an Angebot, Nachfrage, Einkommen und Lebenshaltungskosten – leisten können.

Immer weniger Neubauflächen

Ein hohes Kaufaufkommen dank niedriger Bauzinsen und immer knapper werdende Neubauflächen befeuern seit Jahren die Preise für Wohnungen, Ein- und Zweifamilienhäuser, Reihen- und Doppelhäuser– in fast ganz Deutschland. Da ist es keine Überraschung, dass die Marktforscher von Postbank und HWWI auch im „Wohnatlas 2020“ mit den Zahlen für das Jahr 2019 wieder wachsende Kaufpreise in mehr als 90 Prozent aller deutschen Landkreise und kreisfreien Städte verbuchten. Hamburg und Nordfriesland belegen in der Studie wieder Spitzenplätze – für Kaufinteressenten zwar erwartbar, aber trotzdem kein Grund zur Freude. Die Preisspirale geht weiter nach oben.

Neubauprojekt in beliebter Lage: Winterhuder Marktplatz 18 c-e. Bild: E

Bundesweit zogen die Preise seit 2018 um inflationsbereinigte 9,3 Prozent an. Der „Wohnatlas“ 2020 zeigt jedoch noch etwas allzu deutlich: Preissteigerungen halten nicht nur die großen Städte und deren Umkreise im Griff. Auf dem Land zeichnen sich in einigen Regionen ebenfalls drastische Preissteigerungen ab.

Hamburg: Platz 3 unter den teuersten Immobilienstädten

Platz 3 der teuersten deutschen Immobilienstädte belegt Hamburg hinter Frankfurt und München: Hier kostet der Quadratmeter Wohnraum im Durchschnitt 5.054 Euro. Die Preiskurve bewegte sich hier stetig nach aufwärts: von 3884 Euro (2016), über 4212 Euro (2017) bis auf 4587 Euro im Jahr 2018, von wo aus gleich die 5000er-Marke überschritten wurde. Seit dem Jahr 2016 stiegen die Preise – nicht inflationsbereinigt – um gut 30 Prozent an. Die Marktforscher vom „Wohnatlas 2020“ weisen die inflationsbereinigte Preissteigerung von 2018 auf 2019 bei 8,79 Prozent aus. Das ist ordentlich!

Die teuersten Städte in Deutschland.

Nordfriesland ist der teuerste Landkreis Deutschlands

Den teuersten Flecken Deutschlands bildet der Landkreis Nordfriesland. Dazu gehören beliebte Ferienorte wie St. Peter Ording und die Inseln Sylt, Föhr und Amrum. 2019 bezahlten Käufer dort für den Quadratmeter Wohneigentum im Mittel 6.452 Euro. Von dort aus geht es im Ranking direkt in den Süden, genauer nach Bayern: Ebenfalls über der 6.000 Euro-Marke liegen die Kaufpreise für Wohnimmobilien in Miesbach, Starnberg und dem Landkreis München. Freising liegt mit durchschnittlich 4.949 Euro für den Quadratmeter Wohnraum zwar deutlich darunter, bildet aber mit Nordfriesland den Spitzenreiter unter den Landkreisen mit den steilsten Preisanstiegen innerhalb eines Jahres: In der Domstadt legten die Kaufpreise gegenüber 2018 um 10,99 Prozent zu, in Nordfriesland sogar um 14,06 Prozent.

Die teuerstem Landkreise in Deutschland. Quelle: Postbank Studie

Wettbewerb zwischen den Kaufinteressenten

Warum führt gerade Nordfriesland das Ranking der stärksten Preisanstiege an? Die Nachfrage erzeugt hier einen intensiven Preisdruck, der Kaufinteressenten heftig zusetzt. Der Norden Deutschlands zieht nicht nur Feriengäste an. Viele Menschen wünschen sich eine Wohnung oder ein Haus am Meer oder zumindest in Küstennähe. Es könnte auch kaum schöner sein! Kinder wachsen hier naturnah und beschützt auf, Senioren erfreuen sich am gesunden Seeklima und den Freizeitangeboten, die gerade touristisch erschlossene Orte in den buntesten Facetten zu bieten haben. Hinzu kommt dort in der Regel eine hervorragende medizinische Versorgung – und viel Leben. Kein Wunder, dass am Immobilienmarkt in Nordfriesland geradezu ein Wettbewerb unter den Käufern herrscht. Eigennutzer, die ein Heim für sich und ihre Familie suchen, sehen sich Kapitalanlegern und großen Investmentfirmen gegenübergestellt, die Ferienwohnungen kaufen möchten, um sie gewinnbringend zu vermieten.

Urlauber als Kauffaktor

Schon ein flüchtiger Blick auf die Übernachtungszahlen in der Region zeigt: Das lohnt sich! Durchschnittlich verweilten Touristen 2018 zwischen 5,2 und 8,4 Tage in den nordfriesischen Hotspots Sylt, Amrum, Föhr und St. Peter Ording. Zudem ist die Tourismusintensität (Übernachtungen je 1.000 Einwohner) im Landkreis Nordfriesland mit am höchsten – allein Sylt zählte 2017 rund 3,7 Mio. Übernachtungen, aber auch das kleine Amrum kam auf über 827.000 Übernachtungen. Ein sattes Plus verzeichneten die Bücher für das Jahr 2018. Sylt gewann gegenüber dem Vorjahr 24,4 % bei den Übernachtungszahlen dazu und zog damit über 4,6 Mio. Übernachtungsgäste an. St. Peter Ording verbuchte mit über 1,5 Mio. Gästen einen deutlichen Zuwachs: um 11,2 %. Die deutlichste Steigerung bei den Übernachtungszahlen gab es jedoch unter den vier Orten in unserem Fokus auf Föhr: Über 13 Mio. Gäste waren 2018 auf der Insel – mehr als 31 % Zuwachs. Diese Zahlen stammen von den Landesämtern, auf die sich das Maklerunternehmen Engels & Völkers in seinen Marktberichten „Ferienwohnungen in Deutschland“ für die Jahre 2019 und 2020 stützt. Viele Menschen setzen viel Energie und Geld in den Wunsch, auch zu den erfolgreichen Vermietern Nordfrieslands zu gehören: Der Tourismus hat dort nach wie vor Konjunktur. Doch was wird gesucht?

Urlaubsparadies Sylt. Bild: pixabay

Ferienimmobilien werden in erster Linie nach dem Attraktivitäts-Kriterium gekauft. Aus diesem Grund sind für den Vermietungszweck vor allem Premium-Immobilien mit unverbaubarem Meerblick und einem hochwertigen Ambiente gesucht. Bei den Neubauten setzten in den letzten Jahren in Nordfriesland – nicht nur auf Sylt – architektonisch aufwendige Gebäude mit hochwertiger Ausstattung und erstklassigen Materialien neue Standards. High-End-Feriendomizile für ein luxusorientiertes Publikum, das gewisse Ansprüche stellt, besetzten die letzten freien oder frei gewordenen Logenplätze. Aber auch in zweiter Reihe ist Wohnen in Nordfriesland mehr als nur schön.

Der Traum vom Zweitwohnsitz

Nach offizieller Zählung des Kreises Husum gibt es in Nordfriesland 25.000 Wohnungen und Häuser, die als Zweitwohnsitz eingetragen sind. Es ist übrigens nicht so, dass die Käufer von Wohneigentum auf dem Festland und den Inseln aus der Ferne kommen. 28 Prozent der Käufer stammten laut Engels & Völkers im Jahr 2018 aus Schleswig-Holstein und weitere 25 Prozent aus Hamburg. Nur 3 % der neuen Wohneigentums-Besitzer kamen damals aus dem Ausland. Aber in Nordfriesland zählt weniger die Herkunft der Kaufinteressenten, sondern das Geld, das sie mitbringen. Wohneigentum ist hier rar und kostspielig – für jeden Nutzungszweck.

Hohes Preisniveau bei Eigentumswohnungen in den sehr guten Lagen Nordfrieslands

Was bezahlt man laut Engel & Völkers für Immobilien vor Ort? Bis April 2020 wurde auf Sylt bereits ein Spitzenwert von 20.000 Euro/m² für Eigentumswohnungen in Premiumlage aufgerufen – im Durchschnitt lagen dort die Preise zum Erfassungszeitpunkt bei Immobilien in sehr guten Lagen jedoch bei 12.000 bis 18.000 Euro. In den Premiumlagen von Amrum wurden im Durschnitt rund 7.500 bis 9.000 Euro für den Quadratmeter Wohnfläche fällig – der Spitzenwert betrug 10.000 Euro. Auf Föhr bewegten sich die Durchschnitts-Preise für den Quadratmeter Eigentumswohnung zwischen 6.800 und 8.500 Euro mit einem Höchstwert von 10.000 Euro/m². Wohneigentum in St. Peter Ording war da schon etwas günstiger zu haben. Ein Blick auf die Werte von 2019 zeigt aber, dass hier die Preise 2020 deutlich anzogen: Während im Vorjahr Quadratmeter-Preise zwischen 4.000 und 5.400 Euro aufgerufen wurden, liegen sie jetzt, im Frühjahr 2020, bei 6.000 bis 6.500 Euro. Der Spitzenwert hat 7.500 Euro/m² erreicht.

Reetdachhaus. Bild: pixabay

Ein Haus auf Sylt – für viele ein unbezahlbarer Traum

Natürlich gibt es sie auch in Nordfriesland, die Immobilien-Schnäppchen. Doch erscheinen diese so gut wie nie auf dem freien Markt, sondern werden unter befreundeten Nachbarn oder Verwandten verkauft. Das Gros der Kaufinteressenten muss einen dicken Geldbeutel mitbringen, um sich hier ein Ein- oder Zweifamilienhaus zu kaufen. In sehr guten Lagen wurden auf Sylt im Jahr 2020 so auch Liebhaberpreise von bis zu 27 Mio. Euro aufgerufen, während sich die Durchschnittspreise in einer Spanne von 8 bis 15 Mio. Euro bewegten. Weitaus günstiger waren Häuser in den sehr guten Lagen auf Amrum und Föhr oder in St. Peter Ording. Dafür wurden zwar Höchstpreise zwischen 2,1 Mio. Euro und 3 Mio. Euro aufgerufen. In St. Peter Ording waren 2020 aber auch Immobilien für 750.000 Euro im Angebot, während auf Amrum Häuser zu Preisen zwischen 1,35 Mio. Euro und 2,5 Mio. Euro angeboten wurden.

Nordfrieslands Immobilienpreise 2018 bis 2020

Mehr Käuferglück hat man eventuell in den guten Lagen Nordfrieslands. Dort entspannen sich die Preise gegenüber denen in Premiumlagen deutlich, wenn auch das Preisgefüge immer noch auf einem hohen Niveau rangiert. Ein Haus in St. Peter Ording kostete im Frühjahr 2020 zwischen 6000.000 Euro und 800.000 Euro. Für eine Wohnung auf Föhr wurden 5.500 bis 6.800 Euro pro Quadratmeter aufgerufen. Im Vergleich zu der großen Spanne auf Sylt (8.700 Euro bis 15.500 Euro pro Quadratmeter) schon weit erschwinglicher. Für ein Haus auf Sylt muss man auch in guten Lagen sehr solvent sein. Dort wurden im Frühjahr 2020 immer noch 3,8 Mio. Euro bis 9,5 Mio. Euro für ein Ein- oder Zweifamilienhaus aufgerufen.

Es gibt in Nordfriesland natürlich nicht nur Premium- und gute Lagen. Die mittleren und einfachen Lagen haben ebenfalls schöne Immobilien zu bieten. Doch wie sieht es hier mit den Preisen aus?

Nordfriesland moderat – die Kaufpreise in einfachen und mittleren Wohnlagen 2020

Wir werden auch weiterhin die Trends und Perspektiven am deutschen Immobilienmarkt beobachten und Sie auf dem Laufenden halten. Denn eins ist sicher: Immobilienzahlen sind immer wieder spannend und immer wieder für eine Überraschung gut. Auf der Website der Postbank finden Sie noch weitere Informationen zu den Ergebnissen der Studie „Postbank Wohnatlas 2020“, und auch die offizielle Pressemitteilung findet sich im Netz. Wer in den Marktberichten für Ferienimmobilien von Engel & Völkers schmökern möchte, findet die aktuelle Ausgabe 2020 auf der Website des Maklerunternehmens zum kostenlosen Download.

Viel Spaß beim Eintauchen in die Welt der Marktzahlen wünscht Ihr Redaktionsteam von neubau kompass. Sie sind auf der Suche nach einer Neubau-Immobilie in Hamburg und Umgebung? Eine große Auswahl davon finden Sie auf unserem Portal.

Titelbild Hamburg: pixabay